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Bahnhof Aystetten: Die Geschichte einer bayrischen Lokalbahn
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war im damaligen Königreich Bayern die Eisenbahn zum wichtigsten Verkehrsmittel geworden. In dieser erfolgreichen Zeit des Personen- und Gütertransportes auf der Schiene entstanden neben den noch heute in Betrieb befindlichen Hauptbahnstrecken verschiedene Nebenstrecken. Durch das Lokalbahngesetz (1884) wurde der für neue Gleisanlagen benötigte Grund kostenlos zur Verfügung gestellt und unterstützte somit die Lokalbahn-Interessenten bei der Finanzierung der Strecken.
In dieser Zeit entstand auch die „Weldener-Lokalbahn“. Die Bahnlinie führte von der Stadt Augsburg über Aystetten (Empfangsgebäude Bhf-Aystetten im Sept. 1939) in den Holzwinkel (Endstation: Welden). In erster Linie sollte die Bahn den Transport von Gütern wie Holz oder landwirtschaftlichen Produkten erleichtern. Für den Personenverkehr waren die Reisemöglichkeit nach Augsburg und in Gegenrichtung als Ausflugsgebiet bequem in einer Stunde zu erreichen. Nachdem die Bahnlinie von der Staatsregierung genehmigt wurde, begannen nach kurzer Planungsphase schon 1902 die Gleisbauarbeiten. Ein Jahr später fand die feierliche Eröffnung statt und in den Folgejahren galt die „Weldenbahn“ als zweitrentabelste Lokalbahn in Bayrisch-Schwaben.
Für die Aystetter Bevölkerung rückte die Stadt Augsburg durch die Bahnverbindung ein großes Stück näher. Arbeiten in der Stadt und Wohnen auf dem Land waren nun möglich. Auch die Ortsjugend profitierte von den besseren Bildungsmöglichkeiten in der Schwabenmetropole.
Aystetten galt bei den Augsburgern als beliebtes Ausflugsziel. An Wochenenden (Vierteilige 795/995-Garnitur am Sonntag 6. August 1973) fuhren sie mit dem Zug ins Grüne nach Aystetten. Höhepunkt war die Einkehr im Bahnhofsgasthof (heute „Gasthaus Aystetter Hof“: siehe Gastronomie).
Die ab 1949 parallel zur Bahnstrecke bestehende Busverbindung Augsburg-Welden und der anwachsende, motorisierte Individualverkehr sorgten in den folgenden Jahrzehnten für einen Rückgang der Fahrgäste auf der Schienenverbindung. Nach Fahrplaneinschränkungen ab 1975 wurde der Personenverkehr aufgrund eines Beschlusses des Verwaltungsrates der DB im Juli 1985 schließlich endgültig eingestellt. Als 1986 der Güterverkehr ebenfalls zum Erliegen kam, wurden noch im selben Jahr die Gleiskörper bis zur Haltestelle Lohwald rückgebaut. Die Farbfabrik Keim am Lohwald wurde noch über die Schiene beliefert, bis die restliche Strecke 1989 ebenfalls abgebaut wurde.
Name und Strecke der „Weldenbahn“ bleiben uns heute als Radfußweg erhalten. Der öffentliche Nahverkehr wird durch die Buslinien 500 (Augsburg Hbf – Aystetten) und 501 (Augsburg Hbf – Welden Rathaus) der Regionalbus-Augsburger-GmbH (RBA) bewältigt.
Quellen: Die Weldenbahn von Michael Baumgärtner und Jürgen Fiedler / Wikipedia
Pfarrgemeinde Aystetten
Die alte Dorfkirche "St. Martin" stammt im Kern wohl aus dem späten 15. Jahrhundert. Bekannt ist nur das Datum 1566, als unter der Herrschaft des Klosters Heilig Kreuz die erste Uhr an dem schönen Sattelturm errichtet wurde. Die Weihe der Kirche auf den Heiligen St. Martin ist wahrscheinlich auf die Lehnsherren und adeligen Besitzer Aystettens zurückzuführen, da St. Martin der Standespatron für viele der damaligen Bischöfe und Ritter war. Erst 1925 entstand das neue Friedhofsgelände am westlichen Ende des Dorfes, vorher befand sich der Friedhof auf dem Kirchenvorplatz der alten Kirche. Der alte Pfarrhof (fertiggestellt: 1753) an der Hauptstraße, Ecke Kirchgasse dient heute als Wohngebäude.
Aufgrund statischer Mängel mussten das Kirchenschiff und der Turm vor kurzem renoviert werden. Gottesdienste finden nur noch zu besonderen Anlässen in dem ansonsten gut erhaltenen Gotteshaus statt.
Nach nur zwei Jahren Bauzeit wurde 1966 die neue Kirche St. Martin eingeweiht. Man verbindet dieses Fest mit dem kirchengeschichtlichen Ereignis, dass am Turm der alten Kirche die Jahreszahl 1566 über der Uhr zu lesen ist und die Gemeinde feiert daher gleichzeitig auch den 400-jährigen Geburtstag des alten Gotteshauses.
Quellen: Aystetten – Eine Chronik von Ruth Kankowski
Aystetter Bürger erkämpfen die Selbständigkeit
Die 1971 eingeleitete Gebietsreform sollte die bestehende Verwaltungsstruktur erneuern, indem in größeren Landkreisen kleinere Gemeinden zu so genannten Verwaltungseinheiten zusammengelegt wurden. Die in der Nähe liegende Gemeinde Neusäß wollte einer Eingemeindung nach Augsburg entgehen, indem sie mit mehreren umliegenden Dörfern im Schmuttertal eine Großgemeinde bildete. Aystetten entschied sich im Gemeinderat gegen eine Eingemeindung nach Neusäß, dennoch wurde eine Zusammenarbeit nicht ausgeschlossen.
1973 musste die Gemeinde eine offizielle Stellungnahme zur Neugliederung der Gemeinden im Landkreis abgeben. Der Gemeinderat hatte einstimmig für die Selbständigkeit der Gemeinde gestimmt. Begründung:
“Die Leistungsfähigkeit der Gemeinde Aystetten ist in finanzieller und verwaltungstechnischer Hinsicht überdurchschnittlich groß. Es ist der Gemeinde gelungen, folgende wichtige Einrichtungen und Verbesserungen zu schaffen: Erstellung eines vorbildlichen Gemeindezentrums mit Verwaltung, Schule, … ] … [ … Auch die wirtschaftliche und finanzielle Lage Aystettens kann sich sehen lassen …] … […Bei Berücksichtigung aller Tatsachen kann eine Eingemeindung für die Gemeinde Aystetten nur Nachteile erwarten lassen.]
Trotz dieser eindeutigen Formulierung sollte die Gemeinde Aystetten am 1. Juli 1975 in einer Bürgerbefragung die Eingemeindung Aystettens nach Neusäß abstimmen lassen. Mit der „Bürgeraktion selbständiges Aystetten“ unterstützte eine Gruppe Aystetter Bürger die Gemeindeverwaltung tatkräftig im Kampf gegen die Eingemeindung. Das Abstimmungsergebnis lautete: „Mit 98,6 Prozent die Eingemeindung abgelehnt“ (94% Wahlbeteiligung). Die Regierung von Schwaben und des Bayrischen Staatsministeriums des Inneren folgten dem Wählervotum und Aystetten bleibt eigenständig.
Quellen: Aystetten – Eine Chronik von Ruth Kankowski
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